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Bewusstsein (lat. conscientia „Mitwissen“
und agr. συνείδησις syneidesis „Miterscheinung“,
„Mitbild“,
„Mitwissen“, συναίσθησις Mitwahrnehmung,Mitempfindung und φρόνησις von φρονεῖν bei
Sinnen sein, denken) ist im weitesten Sinne
die erlebbare Existenz mentaler Zustände und
Prozesse. Eine allgemein gültige Definition des Begriffes ist
aufgrund seines unterschiedlichen Gebrauchs mit verschiedenen
Bedeutungen schwer möglich. Die wissenschaftliche Forschung
beschäftigt sich vor allem mit den klarer
definierten Bewusstseinszuständen.
Das Wort „Bewusstsein“ wurde
von Christian Wolff als Lehnübersetzung des
lateinischen conscientia geprägt. Das lateinische Wort
hatte ursprünglich eher Gewissen bedeutet und war zuerst
vonRené Descartes in einem allgemeineren Sinn gebraucht worden.
Der Begriff „Bewusstsein“ hat im Sprachgebrauch eine sehr
vielfältige Bedeutung, die sich teilweise mit den Bedeutungen von
„Geist“ und „Seele“ überschneidet. Im Gegensatz zu diesen
Begriffen ist „Bewusstsein“ jedoch weniger
von theologischen und dualistisch-metaphysischen Gedanken
bestimmt, weswegen er eher auch in den Naturwissenschaften verwendet
wird.
Der Philosoph Thomas
Metzinger erklärt:
„Das Problem des Bewusstseins bildet
heute – vielleicht zusammen mit der Frage nach der Entstehung
unseres Universums – die äußerste Grenze des
menschlichen Strebens nach Erkenntnis.“[1]
In einem materialistischen Weltbild
entsteht das Rätsel des Bewusstseins anhand der Frage, wie es
prinzipiell möglich sein kann, dass aus einer bestimmten Anordnung
und Dynamik vonMaterie Bewusstsein entsteht. Die
Vertreter der These, dass das Bewusstsein rätselhaft sei,
argumentieren, dass selbst eine lückenlose Aufklärung sämtlicher
physiologischer Gehirnprozesse diese Frage nicht beantworten könne.
Aus dem Wissen über die physikalischen
Eigenschaften eines Systems, kann also keine Aussage über das
Bewusstsein abgeleitet werden. Das bedeutet: auch wenn zwei
verschiedene Lebewesen A und B sich in exakt dem gleichen
neurophysiologischen funktionalen Zustand befinden (der
Naturwissenschaftlern komplett bekannt ist), kann immer noch A
bewusst sein, während B es nicht ist.
Philosophischen Gedankenexperimenten
zufolge könne ein Mensch also genauso funktionieren, wie er es jetzt
tut, ohne dass er es bewusst erlebt (siehe: Philosophischer
Zombie). Genauso könne eine Maschine sich genauso verhalten wie ein
Mensch, ohne dass man ihr Bewusstsein zuschreiben würde
(siehe: Chinesisches Zimmer). Die Vorstellbarkeit dieser
Situationen lege offen, dass das Phänomen des Bewusstseins aus
naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht verstanden sei. Und
schließlich scheint es anders als bei anderen Problemen ungeklärt,
anhand welcher Kriterien eine Lösung des Problems überhaupt als
solche erkennbar sein könnte.
Bereits Gottfried Wilhelm
Leibniz hat das Problem in aller Schärfe formuliert. In
der Monadologie (§17) stellt er sich eine riesige,
begehbare Nachbildung des Gehirns vor und erklärt:
„[…] So wird man bei ihrer
Besichtigung nichts als gewisse Stücke, deren eines an das andere
stößt, niemals aber etwas antreffen, woraus man eine Perception
oder Empfindung .
Bewusstsein in der
Philosophie[Bearbeiten]
In der Philosophie war das Rätsel des
Bewusstseins schon lange bekannt. Es geriet aber in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Behaviorismus und
der Kritik von Edmund Husserl am Psychologismus weitgehend
in Vergessenheit. Dies änderte sich nicht zuletzt durch Thomas
Nagels 1974 veröffentlichten Aufsatz What is it like to be
a bat? Nagel argumentierte, dass wir nie erfahren würden, wie
es sich anfühlt, eineFledermaus zu sein. Diese subjektiven
Fakten seien aus der Außenperspektive der Naturwissenschaften nicht
erforschbar. Heute teilen viele Philosophen die Rätselthese –
etwa David Chalmers, Frank Jackson, Joseph
Levine und Peter Bieri. Es gibt allerdings auch
Philosophen, die hier kein Rätsel erkennen wollen − etwa Patricia
Churchland, Paul Churchland und Daniel Dennett.
Die Rätselhaftigkeit des Bewusstseins
als Phänomen äußert sich in zwei verschiedenen Aspekten: Zum
einen haben Bewusstseinszustände einenErlebnisgehalt, und es
ist nicht klar, wie das Gehirn Erleben produzieren kann.
Dies ist das Qualiaproblem. Zum anderen können
sich Gedanken auf empirische Sachverhalte beziehen und sind
deshalb wahr oder falsch. Es ist aber auch nicht klar, wie das Gehirn
Gedanken mit solchen Eigenschaften erzeugen kann. Das ist
das Intentionalitätsproblem.
Das Qualiaproblem[Bearbeiten]
Qualia sind als Erlebnisgehalte
von mentalen Zuständen bestimmt. Man spricht auch von Qualia als dem
„phänomenalen Bewusstsein“. Das Qualiaproblem besteht darin,
dass es keine einsichtige Verbindung zwischen neuronalen Zuständen
und Qualia gibt: Warum erleben wir überhaupt etwas, wenn bestimmte
neuronale Prozesse im Gehirn ablaufen? Ein Beispiel: Wenn man sich
die Finger verbrennt, werden Reize zum Gehirn geleitet, dort
verarbeitet und schließlich wird ein Verhalten produziert. Nichts
aber macht es zwingend, dass dabei ein Schmerzerlebnis entsteht.
Die fehlende Verbindung zwischen den
neuronalen Prozessen und den Qualia scheint fatal für die
naturwissenschaftliche Erklärbarkeit von Bewusstsein zu sein: Wir
haben nämlich nur dann ein Phänomen naturwissenschaftlich erklärt,
wenn wir auch seine Eigenschaften erklärt haben. Ein Beispiel:
Wasser hat die Eigenschaften bei Raumtemperatur und
normalen Luftdruck flüssig zu sein, bei 100 °C zu
kochen usw. Wenn man einfach nicht erklären könnte, warum Wasser
normalerweise flüssig ist, so gäbe es ein „Rätsel des Wassers“.
Analog dazu: Wir haben einen Bewusstseinszustand genau dann erklärt,
wenn Folgendes gilt: Aus der wissenschaftlichen Beschreibung folgen
all die Eigenschaften des Bewusstseinszustands – also auch die
Qualia. Da die Qualia aber eben aus keiner naturwissenschaftlichen
Beschreibung folgen, bleiben sie ein „Rätsel des Bewusstseins“.
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