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Selbstbewusstsein als Bewusstsein vom
Selbst
Das allgemeine Selbstbewusstsein gilt
Immanuel Kant als Voraussetzung für Erkenntnis
Selbstbewusstsein im ersten Sinne ist
insbesondere durch René Descartes ein zentrales Thema der
Philosophie geworden. Descartes machte das gedankliche
Selbstbewusstsein durch seinen berühmten Satz „cogito, ergo sum“
(„ich denke, also bin ich“) zum Ausgangspunkt
aller Gewissheit und damit auch zum Zentrum
seiner Erkenntnistheorie. Descartes Konzeption blieb
allerdings an seine dualistische Metaphysik gebunden, die
das Selbst als ein immaterielles Ding postulierte.
In Immanuel Kants transzendentalem Idealismus blieb
die erkenntnistheoretische Priorität des
Selbstbewusstseins bestehen, ohne dass damit Descartes Metaphysik
übernommen wurde. Kant argumentierte, dass das Ich die „Bedingung,
die allesDenken begleitet“ (KrV A 398), sei, ohne dabei
ein immaterielles Subjekt zu postulieren.
In der Philosophie der
Gegenwart spielt die Frage nach dem Bewusstsein vom Selbst nicht
mehr die gleiche zentrale Rolle wie bei Descartes oder Kant. Dies
liegt auch daran, dass das Selbst oft als ein
kulturelles Konstrukt aufgefasst wird, dem kein reales
Objekt entspreche. Vielmehr lernten Menschen im Laufe
der ontogenetischen Entwicklung ihre Fähigkeiten,
ihren Charakter und ihre Geschichte einzuschätzen und so
ein Selbstbild zu entwickeln. Diese Überzeugung hat zu
verschiedenen philosophischen Reaktionen geführt. Während etwa die
Schriftstellerin Susan Blackmore die Aufgabe der Konzeption
vom Selbst fordert, halten manche Philosophen das Selbst für eine
wichtige und positiv zu bewertende Konstruktion. Prominente Beispiele
sind hier Daniel Dennetts Konzeption vom Selbst als einem
„Zentrum der narrativen Gravitation“ und Thomas
Metzingers Theorie der Selbstmodelle.
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